Ausführliche Vita - Gabriele Sauerland

Gabriele Sauerland wurde 1956 im Ruhrgebiet als eines von sechs Kindern geboren. Die Geschwister sind bis heute eng miteinander verbunden. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie an unterschiedlichen Orten zwischen Duisburg, Südheide und dem Niederrhein. Nach einer kaufmännischen Ausbildung setzte sie ihre schulische Bildung fort.

1974 lebte sie in einer Wohngemeinschaft am Bresserberg in Kleve. Dort gab ihre Freundin Almut den entscheidenden Impuls zum Malen. Im selben Jahr lernte Sauerland Kurt kennen, der sie über viele Jahre begleitete, ihre weitere Ausbildung unterstützte und ihre künstlerische Arbeit ernst nahm. Von 1974 bis 1976 arbeitete sie als Statistin am Nationaltheater Mannheim. Die Begegnung mit Theater und Kunst, unter anderem durch den Schauspieler Ernst Alisch, erweiterte ihren künstlerischen Erfahrungsraum.

1981 begann Sauerland ihr Architekturstudium an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf und schloss es 1988 als Diplom-Ingenieurin für Architektur/Hochbau ab. Farbe, Figur und Grund, Plastik und freies Zeichnen gehörten ebenso zum Studium. Sauerland wurde Tutorin im Bereich Plastik. Parallel malte sie kontinuierlich.

Prägend wurde Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Meisenheimer. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Sauerland zeitweise in seinem Atelier und versteht diese intensive Auseinandersetzung rückblickend als eine Art privates Malstudium. Architektur, Malerei, Plastik und Schreiben begegneten sich hier nicht als getrennte Disziplinen. 1986 wirkte sie an Meisenheimers Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum in Düren mit. Auch ihre späteren „Königssöhne“ stehen in Verbindung mit dieser Zeit.

Nach dem Diplom arbeitete Sauerland im Architekturbüro von Karl Roebrock in Bocholt. Unter realem Zeitdruck übernahm sie Aufgaben vom Detail bis zu Wohnungs- und Gewerbebauten. 1990/91 gründete sie ihr eigenes Architekturbüro und zog mit Kurt nach Nütterden. Büro, Atelier und Wohnräume lagen eng beieinander. Architektur und Malerei waren keine aufeinanderfolgenden Lebensabschnitte, sondern gleichzeitige Arbeitsfelder.

Für ihre Architektur wurde ein Gedanke bestimmend, den Sauerland aus Meisenheimers AFT -Ästhetik, Funktion, Technik zu FAT: Funktion, Ästhetik, Technik umstellte. Ausgangspunkt waren die Menschen und die konkrete Aufgabe. Häuser verstand sie als „Spiegelbilder ihrer Bewohner“, nicht als Monumente des Architekten.

      „Die Aufgabe bestimmt den Weg, nicht eine vorher festgelegte Form.“

Seit 1990 hielt Sauerland Gedanken auf losen Blättern und in Kalendern fest. Diese handschriftlichen „Kritzeleien“ begleiten ihre Arbeit bis heute. Schreiben wurde neben Architektur und Malerei eine weitere Möglichkeit, Gedanken festzuhalten und zu ordnen.

Von 1991 bis 1996 wurde Formentera (Balearen) zu einem besonderen Arbeitsort. Nach ihrem ersten Aufenthalt mietete Sauerland ab 1992 Räume auf der Insel und kehrte regelmäßig zum Malen zurück. Sie arbeitete vorwiegend auf Karton mit Wachskreiden und Tusche und schuf auch Arbeiten aus Stein. Die Materialien blieben transportabel, die Arbeiten gingen mit ihr zurück.

      „Der Ort hat mich angesprungen — und das musste auf meine Bilder.“

1994 kaufte Sauerland einen stark vernachlässigten historischen Hof in Zyfflich an der deutsch-niederländischen Grenze. Über Jahre entwickelte sie ihn gemeinsam mit ihrem Vater und teilweise ihren Brüdern zu einem dreiseitigen Hof mit drei eigenständigen, zugleich miteinander verbindbaren Einheiten. Zyfflich wurde für sie zu einem „virtuellen Raum“ – einem Ort der Freiheit zum Experimentieren.

Hier führte sie auch ihr Architekturbüro, malte kontinuierlich und experimentierte mit unterschiedlichsten Materialien. Viele Auftraggeber kamen aus den Niederlanden. Im eigenen Haus veranstaltete sie Ausstellungen und öffnete Räume auch für andere Künstlerinnen.

      „Ich habe Zyfflich geliebt. Zwanzig Jahre voller Kraft.“

Ein weiterer wichtiger Ort wurde ein historischer Turm in Kranenburg, den Sauerland als Büro und Wohnort nutzte. Das sichtbare massive hölzerne Sprengwerk faszinierte sie. Historische Architektur verstand sie nicht als museales Objekt, sondern als etwas, das weiter leben und verändert werden kann.

Aus einer zunächst kleinen Anfrage für eine Pension entwickelte Sauerland ab 2008 ein umfassendes städtebauliches und architektonisches Konzept für die seit Jahren ungenutzte ehemalige Grenzlandhalle in Kranenburg. Mit einem niederländischen Investor entstand daraus das spätere Hotel zur Kranengasse.

Die Planung entwickelte sich wie ein Mosaik: Bestand, Städtebau, Nutzung, Wirtschaftlichkeit, Nachbarschaft, Genehmigung, Konstruktion und Innenraum beeinflussten sich gegenseitig, bis aus vielen Einzelentscheidungen ein schlüssiges Ganzes entstand. Das Konzept wurde vom Rat Kranenburg angenommen. Von Abbruch bis Fertigstellung vergingen etwa eineinhalb Jahre.

Während der Realisierung starb 2008 ihr Mann Friedhelm, Bauingenieur für Tiefbau, der sie in seinem Fachgebiet unterstützt hatte. Sauerland führe das Projekt weiter. Aus ursprünglich zehn Hotelzimmern wurden dreizehn. Hinzu kamen vier unterschiedlich gestaltete Apartments – Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Architektur, Innenarchitektur, Material, Licht, Möblierung und Kunst behandelte sie als zusammenhängende Aufgabe.

Ab 2009 betrieb Sauerland das Hotel selbst. Ihr Architekturbüro war in die Rezeption integriert. Auch ihre Malerei war Teil des Hauses. Eigene Arbeiten hingen in den Räumen, und 2011 nahm sie mit dem Hotel an den Kreis Klever Kulturtagen teil. Architektur und Malerei waren hier gleichzeitig öffentlich sichtbar.

Nach Sauerlands Ausscheiden folgten weitere Betreiber, die den Hotelbetrieb ebenfalls nicht dauerhaft etablieren konnten. Schließlich wurde die Immobilie durch den Investor veräußert. Heute wird sie nicht mehr als Hotel genutzt. Damit gingen auch wesentliche Teile des von Sauerland entwickelten gestalterischen und gemeinschaftlichen Charakters des Hauses verloren.

In diesen Jahren übernahm Sauerland zunehmend Verantwortung für ihre an Demenz erkrankte Mutter. Gleichzeitig geriet sie wirtschaftlich unter Druck und versuchte zunächst, eine Insolvenz abzuwenden.

Am 31. März 2014 zog sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Berlin. Im April 2014 begann infolge der Insolvenz eine sechsjährige berufliche Einschränkung, die bis April 2020 dauerte. Mit der Insolvenz verlor Sauerland auch den Turm in Kranenburg und ihr Haus in Zyfflich.

Der Wechsel nach Prenzlauer Berg war ein radikaler räumlicher Einschnitt. Aus dem großen Hof wurde eine kleine Altbauwohnung. Sauerland malte von Beginn ihrer Berliner Zeit an kontinuierlich weiter, häufig auf Karon. Erlebtes, Erinnerungen und Beobachtungen gingen unmittelbar in ihre Arbeiten ein. Auch die Erkrankung ihrer Mutter fand Eingang in ihre Bilder.

Ab Ende 2015 bildete Sauerland sich in digitalen Architektur- und Gestaltungsprogrammen weiter. Die Architektur war während dieser sechs Jahre nicht aus ihrem Denken verschwunden. Ihre berufliche Ausübung war jedoch eingeschränkt. Ihre Mutter starb 2016.

2017 entstand die zehnteilige Werkgruppe „10 Gebote“. Ausgangspunkt war nicht Religion als Bekenntnis, sondern Sauerlands Interesse an grundlegenden Regeln menschlichen Zusammenlebens. Sie setzte sich mit den Texten auseinander und übersetzte sie in eine eigene Bildsprache. Im selben Jahr entstand der viereilige FW-Zyklus 1-4, in dem sie sich viele Jahre nach Friedhelms Tod bildnerisch mit dessen Freitod auseinandersetzte.

Neben spontan entstehenden Arbeiten entwickelten sich zunehmend Werkgruppen, für die Sauerland Themen recherchiert, durchdenkt und über mehrere Bilder verfolgt. Gesellschaftliche Fragen, biografische Erfahrung, Erinnerung und Beobachtung können dabei gleichermaßen Ausgangspunkt sein.

Im April 2020 endete die sechsjährige insolvenzbedingte berufliche Einschränkung. Sauerland arbeitete wieder umfassend als Architektin.

Noch 2020 entwickelte sie für ein großes Grundstück an der Ostsee ein städtebauliches Konzept. Bevor die eigentliche Planung begann, zog sie sich mit fünf Leinwänden zurück und malte ihre Gedanken zum Ort. Das Ruderboot wurde zum Denkmodell. Achse, Rippen, Verzweigungen und unterschiedliche Funktionen ließen sich aus einer gemeinsamen Grundstruktur entwickeln. Die Bilder waren Teil des Entwurfsprozesses.

      „Die Grundidee ist der Leitfaden.“

Danach entwickelte Sauerland in Kruge (Brandenburg) ein Konzept für gemeinschaftliches Wohnen älterer Menschen: unterschiedlich große Wohnungen, Gemeinschaftsräume, Gästezimmer und Angebote für ein selbstbestimmtes Zusammenleben. Sowohl das Ostseeprojekt als auch Kruge wurden trotz weit entwickelter Planungen aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage der Baukonjunktur nicht realisiert.

Von 2020 bis Ende 2022 bearbeitete Sauerland dutzende Architekturprojekte in Berlin und anderen Teilen Deutschlands. Architektur und Malerei standen weiterhin auf Augenhöhe.

Ab 2023, nachdem Sauerland die Architektur als Broterwerb zunächst beendet hatte, gewann sie die Zeit, sich intensiver mit der öffentlichen Präsenz ihrer Malerei zu beschäftigen. Sie begann, den heutigen Kunstbetrieb und seine veränderten Bedingungen zu untersuchen. Ab 2024 setzte sie diesen Weg zunehmend konkret um.

Digitale Plattformen, soziale Medien und neue Formen der Selbstvermarktung hatten den Kunstbetrieb seit ihren früheren Ausstellungen grundlegend verändert. Sauerland besuchte Kurse des BBK (Bund Bildender Künstler) Berlin und setzte sich systematisch mit den Bedingungen heutiger künstlerischer Öffentlichkeit auseinander.

2025 und 2026 folgten Ausstellungen, Bewerbungen und neue Galeriebeziehungen. Gleichzeitig entwickelte Sauerland ihre thematische Arbeit weiter. Zu den jüngeren Werkgruppen gehören die 4 „Apokalyptischen Pferde“, ergänzt durch „7 Siegel und Lamm Gottes“, sowie Arbeiten zu gesellschaftlichen und persönlichen Themen.

Ihre Malerei verbindet figurative und abstrakte Elemente. Sauerland arbeitet mit Acryl, Öl, Tusche, Gouache, Schellack, Wachs, Blattgold und weiteren Materialien auf Leinwand, Karton, Papier und Holz.

2026 wurde „Femizid“ für die Shortlist des BBA Arist Prize 360 Grad ausgewählt. Die Zusammenarbeit mit der BBA Galerie und die Präsentation ihrer Arbeiten über Artsy (Art.sy.Inc.) Online Plattform erweitern ihre öffentliche Präsenz.

Auch heute betrachtet Sauerland weder Malerei noch Architektur als abgeschlossen. Nach der Phase ohne neue Architekturaufträge beschäftigt sie sich erneut mit architektonischen Aufgaben.

Orte, Lebenssituationen und Arbeitsbedingungen haben sich immer wieder verändert. Konstant blieb weniger eine bestimmte Formensprache als eine Arbeitsweise. Wahmehmen, untersuchen, auseinander nehmen, ordnen und neu zusammensetzen. Sauerland bezeichnet dieses Vorgehen als ein Mosaik. Es findet sich in der Architektur ebenso wie in ihren Bildern und Texten.

      „Ordnen vom Gedankenchaos.“

Gabriele Sauerland wurde 1956 im Ruhrgebiet als eines von sechs Kindern geboren. Die Geschwister sind bis heute eng miteinander verbunden. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie an unterschiedlichen Orten zwischen Duisburg, Südheide und dem Niederrhein. Nach einer kaufmännischen Ausbildung setzte sie ihre schulische Bildung fort.1974 lebte sie in einer Wohngemeinschaft am Bresserberg in Kleve. Dort gab ihre Freundin Almut den entscheidenden Impuls zum Malen. Im selben Jahr lernte Sauerland Kurt kennen, der sie über viele Jahre begleitete, ihre weitere Ausbildung unterstützte und ihre künstlerische Arbeit ernst nahm. Von 1974 bis 1976 arbeitete sie als Statistin am Nationaltheater Mannheim. Die Begegnung mit Theater und Kunst, unter anderem durch den Schauspieler Ernst Alisch, erweiterte ihren künstlerischen Erfahrungsraum.1981 begann Sauerland ihr Architekturstudium an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf und schloss es 1988 als Diplom-Ingenieurin für Architektur/Hochbau ab. Farbe, Figur und Grund, Plastik und freies Zeichnen gehörten ebenso zum Studium. Sauerland wurde Tutorin im Bereich Plastik. Parallel malte sie kontinuierlich.Prägend wurde Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Meisenheimer. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Sauerland zeitweise in seinem Atelier und versteht diese intensive Auseinandersetzung rückblickend als eine Art privates Malstudium. Architektur, Malerei, Plastik und Schreiben begegneten sich hier nicht als getrennte Disziplinen. 1986 wirkte sie an Meisenheimers Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum in Düren mit. Auch ihre späteren „Königssöhne" stehen in Verbindung mit dieser Zeit.Nach dem Diplom arbeitete Sauerland im Architekturbüro von Karl Roebrock in Bocholt. Unter realem Zeitdruck übernahm sie Aufgaben vom Detail bis zu Wohnungs- und Gewerbebauten. 1990/91 gründete sie ihr eigenes Architekturbüro und zog mit Kurt nach Nütterden. Büro, Atelier und Wohnräume lagen eng beieinander. Architektur und Malerei waren keine aufeinanderfolgenden Lebensabschnitte, sondern gleichzeitige Arbeitsfelder.Für ihre Architektur wurde ein Gedanke bestimmend, den Sauerland aus Meisenheimers AFT -Ästhetik, Funktion, Technik zu FAT: Funktion, Ästhetik, Technik umstellte. Ausgangspunkt waren die Menschen und die konkrete Aufgabe. Häuser verstand sie als „Spiegelbilder ihrer Bewohner", nicht als Monumente des Architekten.„Die Aufgabe bestimmt den Weg, nicht eine vorher festgelegte Form."Seit 1990 hielt Sauerland Gedanken auf losen Blättern und in Kalendern fest. Diese handschriftlichen „Kritzeleien" begleiten ihre Arbeit bis heute. Schreiben wurde neben Architektur und Malerei eine weitere Möglichkeit, Gedanken festzuhalten und zu ordnen.Von 1991 bis 1996 wurde Formentera (Balearen) zu einem besonderen Arbeitsort. Nach ihrem ersten Aufenthalt mietete Sauerland ab 1992 Räume auf der Insel und kehrte regelmäßig zum Malen zurück. Sie arbeitete vorwiegend auf Karton mit Wachskreiden und Tusche und schuf auch Arbeiten aus Stein. Die Materialien blieben transportabel, die Arbeiten gingen mit ihr zurück.„Der Ort hat mich angesprungen — und das musste auf meine Bilder."1994 kaufte Sauerland einen stark vernachlässigten historischen Hof in Zyfflich an der deutsch-niederländischen Grenze. Über Jahre entwickelte sie ihn gemeinsam mit ihrem Vater und teilweise ihren Brüdern zu einem dreiseitigen Hof mit drei eigenständigen, zugleich miteinander verbindbaren Einheiten. Zyfflich wurde für sie zu einem „virtuellen Raum" - einem Ort der Freiheit zum Experimentieren.Hier führte sie auch ihr Architekturbüro, malte kontinuierlich und experimentierte mit unterschiedlichsten Materialien. Viele Auftraggeber kamen aus den Niederlanden. Im eigenen Haus veranstaltete sie Ausstellungen und öffnete Räume auch für andere Künstlerinnen.„Ich habe Zyfflich geliebt. Zwanzig Jahre voller Kraft."Ein weiterer wichtiger Ort wurde ein historischer Turm in Kranenburg, den Sauerland als Büro und Wohnort nutzte. Das sichtbare massive hölzerne Sprengwerk faszinierte sie. Historische Architektur verstand sie nicht als museales Objekt, sondern als etwas, das weiter leben und verändert werden kann.Aus einer zunächst kleinen Anfrage für eine Pension entwickelte Sauerland ab 2008 ein umfassendes städtebauliches und architektonisches Konzept für die seit Jahren ungenutzte ehemalige Grenzlandhalle in Kranenburg. Mit einem niederländischen Investor entstand daraus das spätere Hotel zur Kranengasse.Die Planung entwickelte sich wie ein Mosaik: Bestand, Städtebau, Nutzung, Wirtschaftlichkeit, Nachbarschaft, Genehmigung, Konstruktion und Innenraum beeinflussten sich gegenseitig, bis aus vielen Einzelentscheidungen ein schlüssiges Ganzes entstand. Das Konzept wurde vom Rat Kranenburg angenommen. Von Abbruch bis Fertigstellung vergingen etwa eineinhalb Jahre.Während der Realisierung starb 2008 ihr Mann Friedhelm, Bauingenieur für Tiefbau, der sie in seinem Fachgebiet unterstützt hatte. Sauerland führe das Projekt weiter. Aus ursprünglich zehn Hotelzimmern wurden dreizehn. Hinzu kamen vier unterschiedlich gestaltete Apartments - Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Architektur, Innenarchitektur, Material, Licht, Möblierung und Kunst behandelte sie als zusammenhängende Aufgabe.Ab 2009 betrieb Sauerland das Hotel selbst. Ihr Architekturbüro war in die Rezeption integriert. Auch ihre Malerei war Teil des Hauses. Eigene Arbeiten hingen in den Räumen, und 2011 nahm sie mit dem Hotel an den Kreis Klever Kulturtagen teil. Architektur und Malerei waren hier gleichzeitig öffentlich sichtbar.Nach Sauerlands Ausscheiden folgten weitere Betreiber, die den Hotelbetrieb ebenfalls nicht dauerhaft etablieren konnten. Schließlich wurde die Immobilie durch den Investor veräußert. Heute wird sie nicht mehr als Hotel genutzt. Damit gingen auch wesentliche Teile des von Sauerland entwickelten gestalterischen und gemeinschaftlichen Charakters des Hauses verloren.In diesen Jahren übernahm Sauerland zunehmend Verantwortung für ihre an Demenz erkrankte Mutter. Gleichzeitig geriet sie wirtschaftlich unter Druck und versuchte zunächst, eine Insolvenz abzuwenden.Am 31. März 2014 zog sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Berlin. Im April 2014 begann infolge der Insolvenz eine sechsjährige berufliche Einschränkung, die bis April 2020 dauerte. Mit der Insolvenz verlor Sauerland auch den Turm in Kranenburg und ihr Haus in Zyfflich.Der Wechsel nach Prenzlauer Berg war ein radikaler räumlicher Einschnitt. Aus dem großen Hof wurde eine kleine Altbauwohnung. Sauerland malte von Beginn ihrer Berliner Zeit an kontinuierlich weiter, häufig auf Karon. Erlebtes, Erinnerungen und Beobachtungen gingen unmittelbar in ihre Arbeiten ein. Auch die Erkrankung ihrer Mutter fand Eingang in ihre Bilder.Ab Ende 2015 bildete Sauerland sich in digitalen Architektur- und Gestaltungsprogrammen weiter. Die Architektur war während dieser sechs Jahre nicht aus ihrem Denken verschwunden. Ihre berufliche Ausübung war jedoch eingeschränkt. Ihre Mutter starb 2016.2017 entstand die zehnteilige Werkgruppe „10 Gebote". Ausgangspunkt war nicht Religion als Bekenntnis, sondern Sauerlands Interesse an grundlegenden Regeln menschlichen Zusammenlebens. Sie setzte sich mit den Texten auseinander und übersetzte sie in eine eigene Bildsprache. Im selben Jahr entstand der viereilige FW-Zyklus 1-4, in dem sie sich viele Jahre nach Friedhelms Tod bildnerisch mit dessen Freitod auseinandersetzte.Neben spontan entstehenden Arbeiten entwickelten sich zunehmend Werkgruppen, für die Sauerland Themen recherchiert, durchdenkt und über mehrere Bilder verfolgt. Gesellschaftliche Fragen, biografische Erfahrung, Erinnerung und Beobachtung können dabei gleichermaßen Ausgangspunkt sein.Im April 2020 endete die sechsjährige insolvenzbedingte berufliche Einschränkung. Sauerland arbeitete wieder umfassend als Architektin.Noch 2020 entwickelte sie für ein großes Grundstück an der Ostsee ein städtebauliches Konzept. Bevor die eigentliche Planung begann, zog sie sich mit fünf Leinwänden zurück und malte ihre Gedanken zum Ort. Das Ruderboot wurde zum Denkmodell. Achse, Rippen, Verzweigungen und unterschiedliche Funktionen ließen sich aus einer gemeinsamen Grundstruktur entwickeln. Die Bilder waren Teil des Entwurfsprozesses.„Die Grundidee ist der Leitfaden."Danach entwickelte Sauerland in Kruge (Brandenburg) ein Konzept für gemeinschaftliches Wohnen älterer Menschen: unterschiedlich große Wohnungen, Gemeinschaftsräume, Gästezimmer und Angebote für ein selbstbestimmtes Zusammenleben. Sowohl das Ostseeprojekt als auch Kruge wurden trotz weit entwickelter Planungen aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage der Baukonjunktur nicht realisiert.Von 2020 bis Ende 2022 bearbeitete Sauerland dutzende Architekturprojekte in Berlin und anderen Teilen Deutschlands. Architektur und Malerei standen weiterhin auf Augenhöhe.Ab 2023, nachdem Sauerland die Architektur als Broterwerb zunächst beendet hatte, gewann sie die Zeit, sich intensiver mit der öffentlichen Präsenz ihrer Malerei zu beschäftigen. Sie begann, den heutigen Kunstbetrieb und seine veränderten Bedingungen zu untersuchen. Ab 2024 setzte sie diesen Weg zunehmend konkret um.Digitale Plattformen, soziale Medien und neue Formen der Selbstvermarktung hatten den Kunstbetrieb seit ihren früheren Ausstellungen grundlegend verändert. Sauerland besuchte Kurse des BBK (Bund Bildender Künstler) Berlin und setzte sich systematisch mit den Bedingungen heutiger künstlerischer Öffentlichkeit auseinander.2025 und 2026 folgten Ausstellungen, Bewerbungen und neue Galeriebeziehungen. Gleichzeitig entwickelte Sauerland ihre thematische Arbeit weiter. Zu den jüngeren Werkgruppen gehören die 4 „Apokalyptischen Pferde", ergänzt durch „7 Siegel und Lamm Gottes", sowie Arbeiten zu gesellschaftlichen und persönlichen Themen.Ihre Malerei verbindet figurative und abstrakte Elemente. Sauerland arbeitet mit Acryl, Öl, Tusche, Gouache, Schellack, Wachs, Blattgold und weiteren Materialien auf Leinwand, Karton, Papier und Holz.2026 wurde „Femizid" für die Shortlist des BBA Arist Prize 360 Grad ausgewählt. Die Zusammenarbeit mit der BBA Galerie und die Präsentation ihrer Arbeiten über Artsy (Art.sy.Inc.) Online Plattform erweitern ihre öffentliche Präsenz.Auch heute betrachtet Sauerland weder Malerei noch Architektur als abgeschlossen. Nach der Phase ohne neue Architekturaufträge beschäftigt sie sich erneut mit architektonischen Aufgaben.Orte, Lebenssituationen und Arbeitsbedingungen haben sich immer wieder verändert. Konstant blieb weniger eine bestimmte Formensprache als eine Arbeitsweise. Wahmehmen, untersuchen, auseinander nehmen, ordnen und neu zusammensetzen. Sauerland bezeichnet dieses Vorgehen als ein Mosaik. Es findet sich in der Architektur ebenso wie in ihren Bildern und Texten.„Ordnen vom Gedankenchaos."